Literaturwissenschaft
Projekte
Literatur– und Medienwissenschaft
Maritime Kultur und literarische Erfahrung
Ausgehend von dem geopolitischen Gegensatz von Land und Meer widmet sich das Projekt der Aufgabe, in exemplarischer Weise die literarische Verarbeitung und Gestaltung von Konstellationen der abendländischen maritimen Kultur herauszuarbeiten, die für die Geschichte der europäisch–atlantischen Moderne kennzeichnend geworden sind. Die Untersuchung nimmt ihren historischen Anfang mit dem maritimen Aufbruch im 15. und 16. Jahrhundert und verfolgt von hier aus die komplexen Prozesse von ozeanischer Grenzüberschreitung und territorialer Integration. Grundlegende Bedeutung gewinnen dabei Praktiken der Orientierung – Navigation und Klugheit – , die als Antworten auf die neue, maritime Dynamik zu verstehen sind, als Versuche, die Chancen und Risiken einer neuen Kontingenzerfahrung zu nutzen und zu bewältigen. Die übergreifende These ist, dass die frühen Künste der ozeanischen Navigation den historischen Ursprung globaler, vernetzender Orientierungstechnologien bilden. Begleitet die Literatur diese Orientierungskünste zunächst mit eigenen Modellen vor allem der persönlichen Verhaltensorientierung, so setzt sie – seit der Romantik – den Technologien der globalen Positionszuweisung Praktiken der Erfahrung und Grundrisse einer nomadischen Existenz entgegen. Bisher sind Einzelstudien erschienen.
Literarische Ethik
Die ethische Fragestellung ist der modernen Philologie oder Literaturwissenschaft im Kern fremd, da diese historisch aus dem cartesianischen Willen geboren wurde, literarische Texte zu vergegenständlichen und zu analysieren und die Anforderung der Verhaltensänderung durch Lektüre und Schreiben damit auszuschließen. Die literarische Kultur allerdings hat sehr wohl Modelle artikuliert, die darauf hinauslaufen, die Erfahrung des Textes mit einer praktischen Modellierung des Selbst zu verbinden. Solche Modelle werden in diesem Projekt aufbereitet. Dies ist bisher u.a. in einer Habilitationsschrift für Texte des 18. und 19. und frühen 20. Jahrhunderts geschehen; weitere Studien zum 20. Jahrhundert sollen folgen. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf der Beziehung von Lyrik und Ethik liegen.
Visuelle und literarische Kultur der frühen 1960er
Die frühen 1960er erleben eine Explosion visueller Darstellungen im Raum der Großstadt. In diesem Projektbereich geht es zunächst einmal darum, die epistemologischen Bedingungen für diese plötzliche Entriegelung von Visualität freizulegen, um von hier aus einzelne Bereiche der visuellen und literarischen Kultur genauer zu untersuchen. Dies ist bisher geschehen für Antonioni und die konkrete Poesie.
Urbaner Raum und ästhetische Erfahrung
Ausgelöst durch die Beschäftigung mit dem London der 1960er Jahre und mit der Frage der gegenwärtigen ‚global cities’, befindet sich dieses Projekt im Stadium der Materialsammlung. Die Grundidee ist die, dass die literaturwissenschaftlichen Stadtanalysen sich zu wenig an den architekturhistorischen und –theoretischen Forschungen und Reflexionen orientieren und häufig Gefahr laufen, metaphorische Stadtkonzepte (wie das von der ‚Stadt als Text’) für die Beschreibung der Literatur heranzuziehen. Ich möchte mich etwas genauer im urbanen Raum und seiner Geschichte orientieren, um literarische und mediale Beiträge zur Gestaltung und Reflexion unserer unmittelbaren Umwelt zu erforschen.


